|
Und Sie
Tanzten Mit Den Kojoten.
von
Sieglinde W. Alexander
Wenn die
Sonne ihre ersten Strahlen über den weis glitzernden Bergspitzen der Sierra
Nevada schickt, die letzte Schleiereule leise in ihr Nachtquartier fliegt, die
ersten Bachstelzen sich für ihren Ausflug sammeln und ich die absolute Stille
höre, weis ich, dass ein Jahrelanger Traum zur Wahrheit wurde.
Als wir
im September von dem Stadtlärm in Sacramento fünfzig Meilen nördlicher aufs Land
zogen, konnte ich nur ahnen wie sich das Landleben für unsere beiden Labradors,
Wotan und Diva, gestalten würde.
Gleich am
nächsten Morgen unseres Umzugs machte ich, trotz dem Durcheinander von
Schachteln und wahllos herumstehenden Möbeln, einen sehr langen Spaziergang mit
Wotan und Diva. Ich wollte den Beiden die flachen 380 Acker Wiesen und Felder,
südlich, westlich und östlich von unserem Haus, als ihr Territorium vorstellen.
Auf
unserem Nachhauseweg, nur noch eine halbe Meile zum Haus, fanden wir unter
anderen aufregenden Hunde-Plätzen, einen Bach. Eine Sekunde später war Wotan und
Diva vom Instinkt getrieben im Wasser. Eine weitere anscheinend große Aufregung
war im selben Moment voll im Gange. Die beiden bellten und wedelten freudig aber
ich konnte nicht sehen warum. Interessiert machte ich ein paar Schritte näher im
sumpfigen Bachufer und sah den Grund. Ein Biber saß auf seinem Bau; ohne ein
Anzeichen von Angst von den Hunden. Wotan, den wir auch liebevoll Holzkopf
nennen, animierte den Biber zum Spielen, aber dieser verstand leider Wotans
Einladung nicht. Mit einem Pfiff holte ich sie aus dem Wasser. Meine leisen
Worten „sorry he don’t like to play“ trösteten beide.
Wir drei,
ich dreckig bis zu den Knien und meine Zwei schwarzen Labradors grau/braun vom
Schlamm, einschließlich der Nase, wanderten heimwärz. Ich, schon leicht müde
trottete Richtung Haus. Die Beiden aber, immer noch voller Energie, rollten und
tollten die letzten fünfhundert Fuß (ca. 800 Meter) auf der Wiese.
Von dem
Tag an konnte man täglich zwei Labradors wie zwei schwarze Punkte auf einer der
vielen Wiesen springen, spielen und Mäuse fangen sehn, die sie mir dann stolz,
und manchmal noch lebendig, im Maul mit nach Hause bringen.
Seit
einem Monat, pünktlich jedem Morgen um sechs Uhr verlassen Wotan und Diva das
Haus. Seite an Seite besuchen für Stunden ihre Lieblingsplätze. Dann sehe ich
die Beiden nur, wenn sie Hunger haben, ihren Mittagsschlaf im Haus halten
wollen, oder es zu heiß in der Kalifonischen Wintersonne wird.
Gegen
Abend, wenn ich sie mal nicht irgendwo in der Ferne sehen kann, pfeife ich durch
die Finger. Ohne große Eile trotteln die beiden dann Richtung heim.
Sogar die
Dorfbewohner, das Dorf liegt eine Meile westlich von uns, kennen Wotan und Diva.
Einmal wurden Sie von einem Farmer nach Hause gebracht, der besorgt meinte, dass
sie doch heute zu Hause bleiben sollten, da Entenjagd sei und er Gäste-Jäger
eingeladen habe.
In der
Zwischenzeit, ungefähr ein Monat nach unserem Einzug, hatte sich etwas für mich
unglaubliches ereignet.
Seit zwei
Wochen hören wir die Kojoten in der Nacht heulen. Ich, mit meinem menschlichen
Verstand und eingebläutem Mistrauen erheilt eines Morgens eine Lektion in, „Güte
Der Natur.“
Kurz nach
Sonnenaufgang, Wotan und Diva hatten gerade wie jeden Morgen das Haus verlassen,
als ich ihr spielerisches bellen hörte. Natürlich musste ich sehen was es schon
wieder Neues gibt. Im noch leicht bläulichen Morgenlicht und im sanften im
Frühnebel getaucht sah ich meine beiden Hunde fünfhundert Meter vom Haus mit
zwei anderen Hunden spielen. Beeindruckt sah ich für ein paar Minuten zu. Es war
ein Hin und Her; einer sprang über den Anderen, hin und wieder standen sie
aufrecht und es sah aus als ob zwei Hunde tanzten.
Ich
wollte mir die beiden Hunde genauer ansehen und Pfiff Wotan und Diva zum
Rückzug, in der Hoffnung die beiden Anderen beiden mit kommen würden. Diese aber
bleiben ca 300 Meter vom Haus entfernt stehen. Als Wotan und Diva schon auf
halben Weg zum mir war, drehte sich Wotan um und bellte einmal. Die zwei neuen
Spielgefährten verstanden und folgten ihm, wenn auch zögernd. Ich ging schnell
ins Haus um Leckerli für alle Vier zu holen.
Wotan und
Diva waren schon an der Türe aber die Beiden anderen Hunde blieben beim
Walnussbaum stehen. Plötzlich wurde ich steif vor Angst, die Leckerlis vielen
mir aus der Hand als ich sah, dass die zwei Hunde, zwei Kojoten waren.
Holzkopf
sah nur die heruntergefallenen Leckeries, drehte den Kopf und bellte in die
Richtung der beiden eine Einladung zum fressen zu. Sie kamen aber nicht.
Als
wieder leben in meine steifen Glieder kam, schloss ich meinen noch immer offenen
Mund und sagte laut, das darf doch nicht wahr sein. Gleichzeitig fühlte ich
etwas, das mit Worten nicht zu beschreiben ist; eine innere Stille und
unendliche Zufriedenheit.
In diesem
Augenblick habe ich gelernt, wie begrenzt wir Menschen doch mit unserem
vielgepriesenen logischem Verstand sind der oftmals unserem Glück im Weg steht.
Ohne Worte habe ich begriffen, dass die Natur keine Fehler macht, sondern, das
Fehler machen ist das Privileg des denkenden Menschen ist. Tiere profitieren
noch immer von dem natürlichen Rhythmus der nicht gewalttätig ist. Das Wort
Gewalt fand ihren Ursprung und Verwendung in der Unmenschlichkeit. Ein Tier wird
sich immer nur das nehmen was es braucht, verteidigt und beschützt was zum
überleben wichtig ist, damit deren Nachkommen ohne Gefahr erwaschen werden
können.
Wir aber, der intelligente logisch denkende Mensch, braucht nicht nur und er
nimmt rücksichtslos was er „WILL“ und ist in der Lage dafür alles zu zerstören,
sogar unsere Nachkommen.
Seit dem
Tag kommen die beiden Kojoten regelmassig zum Walnussbaum, heulen einmal um
Wotan und Diva für ein Spiel für Stunden einzuladen. Mein Mann und ich halten
Wotan und Diva nicht zurück, weil wir verstanden haben nicht länger das
natürlichste zu kontrollieren, sondern den Freiraum zu geben den wir alle, Tiere
und Menschen brauchen um Glück zu erleben. |